Entstehung
Zu Beginn unseres menschlichen Lebens, sind wir als Kinder auf die Fürsorge erwachsener Bezugspersonen angewiesen. Deren Aufgabe ist es, in den ersten Lebensjahren dafür zu sorgen, dass unsere Bedürfnisse gestillt werden. Dadurch entsteht eine starke Bindung und eine existentielle Abhängigkeit, die grundsätzlich nicht schlimm ist, sofern die Bindungspersonen unsere wesentlichen Bedürfnisse erfüllen.
Ist dies allerdings nicht der Fall, also werden wir darin enttäuscht, dann geraten wir innerlich in Not, weil wir diese Enttäuschung in jungen Jahren kaum aushalten können. Bei häufiger Wiederholung gelten solche Erfahrungen als traumatisierend, da wir dabei in tiefe Verzweiflung geraten und unsere Unversehrtheit – und manchmal sogar unser Überleben – als bedroht empfinden. Um aus dieser schwierigen Lage zu entkommen, stehen uns theoretisch zwei Wege offen: entweder die Bindungsbeziehung oder die eigenen Bedürfnisse aufgeben. Die Wahl fällt stets zugunsten des Erhaltens der Bindung. Da von ihr unser Überleben abhängt, ist das sinnvoll und klug.
Dabei wenden wir uns zwar von unseren Bedürfnissen ab, jedoch gelingt es uns, der Überfoderungung und Hilflosgikeit
zu entkommen und die kaum auszuhaltende Spannung zu lösen. Und das empfinden wir als belohnend. Durch Hormone werden dabei die neuronalen Verknüpfungen gestärkt, die daran beteiligt sind, dass
wir uns den gefundenen Ausweg als lohnenswert merken. Diese physiologische und psychische Reaktion auf die existentielle Not, wird als Anpassung bezeichnet. Durch die Wiederholungen dieser
Ereignisse, werden die jeweiligen Anpassungsstrategien zur bewährten Gewohnheit.
Folgen
Als langfristige Folgen entstehen dadurch häufig Schwierigkeiten, Emotionen zu regulieren und Beziehungen erfüllend zu gestalten, sowie ein eingeengtes Selbstbild. Und so führen Verhaltensstrategien, die in der Vergangeheit sinnvolle Lösungen waren, zu Leiden bis hin zum Leidensdruck in der Gegenwart.
Als erwachsener Mensch sind wir grundsätzlich nicht mehr von anderen überlebensabhängig. Allerdings haben wir unsere
Reaktionsmuster manchmal jahrzehntelang eingeübt. Diese tauchen dann bevorzugt in emotional nahen Beziehungen und hierarchischen Verhältnissen wieder auf. Und da diese Strategien auf den Schutz
von Beziehungen ausgerichtet waren und sind, bleibt es erstmal schwierig, die eigenen Bedürfnisse zu spüren, anzuerkennen und für sie einzustehen.
Auflösung
Eine Psychotherapie kann helfen, solche verfestigten Muster aufzulösen. In einem klaren und mitfühlenden Rahmen kann die eigene Beteiligung an den einschränkenden Dynamiken erforscht werden. Dabei ist wichtig, deren Entstehung als sinnvoll und klug zu würdigen. Weiterhin geht es um das Entwickeln von Fähigkeiten, um auf ähnliche Situationen ab heute anders und damit freier reagieren zu können.